Einschränkungen

Nach drei Monaten in einem Land, in dem es fast keine Ausgehmöglichkeiten gibt und kurze Hosen an Frauen nicht denkbar sind, habe ich mich einerseits an Einschränkungen gewöhnt, andererseits aber auch auf mehr Freiheiten gefreut.

Bezüglich der Kleidung ist Costa Rica auch gar kein Problem: viele der Einheimischen laufen in sehr kurzen Shorts und für meinen Geschmack zu kurzen Trägertops herum. An die eigene Figur angepasste Kleidung tragen hier viele nicht. Hier mit Kleidung aufzufallen, ist also schwierig. Nicht, dass ich das unbedingt wollen würde. Eher falle ich hier durch dezente Kleidung auf: ich glaube, ich war die Einzige mit langarmigem nicht ausgeschnittenen Oberteil, Schal und Brille in der Bar…

Allerdings ist ein Ausflug in eine Bar eher eine Seltenheit: nachts ist es hier nämlich gefährlicher als draußen. Schon tagsüber läuft man und auch frau Gefahr, überfallen zu werden. Zwar wohne ich in einer ruhigen Gegend, in der an jeder zweiten Ecken ein besetztes Wachhäuschen steht, aber zum Geldautomaten gehe ich trotzdem lieber nicht alleine – vor allem nicht, wenn ich die Miete abhebe. Mir ist glücklicherweise noch nichts passiert, aber es werden so viele Geschichten erzählt, dass ich immer, auch tagsüber, vorsichtig bin, nicht mehr Geld als nötig mitnehme und das auf verschiedene Taschen und andere Aufbewahrungsmöglichkeiten verteile.  Insgesamt fühle ich mich hier weniger sicher als in Bangladesch. Woran genau ich das festmache? Sicher kann ich es nicht sagen, aber hier scheinen viel mehr Waffen im Umlauf und Gebrauch zu sein. Außerdem ist man in einem Land mit knapp 150 Millionen Einwohner auf einer Fläche von Bayern und Baden-Württemberg nie alleine auf der Straße, im Park oder in welchem öffentlichen Raum auch immer. Dass ein Rikscha-Fahrer es schafft, dich in eine einsame Seitengasse zu fahren, ist deshalb sehr unwahrscheinlich. Dort lag es also am Islam und hier an der Sicherheit, dass ich abends nicht (viel) weggehe.

Eine weitere Einschränkung, mit der ich inzwischen seit fünf Monaten lebe, wenn einmal von den vier Tagen in Deutschland abgesehen wird, ist meine Ernährung. In Bangladesch war sie sehr Reis-lastig und wenn ich mich hier typisch ernähren würde, dann wäre das hier auch der Fall. Aber ich habe erst nach einem Monat zum ersten Mal Reis gekocht (eine kleine Pause musste sein), aber jetzt habe ich abundzu wieder richtig Appetit darauf.

Toll ist in beiden Ländern die Vielzahl frischen Obsts, das gar nicht so teuer ist wie in Deutschland. Seit Tunesien bin ich jedoch auf der ständigen Suche nach Müsli und leckerem Käse. Während Tunesien da noch recht gute (und recht teure) Produkte hatte, zumindest bis der Verkauf des einzigen richtigen Müslis eingestellt wurde, war das in Bangladesch sehr viel schwieriger. Die 400g Packung Cornflakes (an richtiges Müsli ist nicht zu denken) für fünf Euro und leckerer Käse war nur in Ausländersupermärkten erhältlich, von denen ich allerdings nie einen von innen gesehen habe. Allerdings musste ich in der Gastfamilie nur einmal sagen, dass ich morgens am liebsten Cornflakes zum Frühstück esse und schon standen sie am nächsten Tag und für den Rest der Zeit zum Frühstück auf dem Tisch.
 Hier ist es auch nicht viel einfacher: es gibt zwar theoretisch ein essbares Müsli, das wird aber nicht immer zum Kauf angeboten. Ich teste momentan die Ausweichmöglichkeiten. Käse gibt es hier zwar, aber die Preise wurden wohl bei der Berechnung meines Stipendiums nicht mit berücksichtig. Ansonsten gibt es hier aber auch alle gängigen amerikanischen Fast-Food-Ketten, die ich die letzten acht Monate überhaupt nicht vermisst habe.

Insgesamt gesehen ist ein Jahr im Ausland genau das Richtige, um das eigene Land richtig wertschätzen zu lernen.

PS: Warum denke ich eigentlich dauernd an Essen??

9.6.10 04:32

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