Du bist Deutschland!

Eigentlich würde ich mich eher als Europäerin sehen und bezeichnen, aber letzte Woche hieß es für mich: Ja, ich bin Deutschland!

Am Dienstag hatten UNICEF, UNFPA und das Ministerium für Jungend zum Frühstück eingeladen, um potentiellen Geldgebern ein gemeinsames Projekt für HIV-Aufklärung unter Jugendlichen näher zu bringen. Die EU war vertreten, die USA, Dänemark und mehr oder weniger wichtige Personen von UNICEF und UNFPA. Da durfte Deutschland natürlich nicht fehlen – also wurde ich hin geschickt. Mehr als stiller Beobachter, denn stellvertretend für Deutschland habe ich mich dann nicht getraut zu sprechen.

Ähnlich verhielt es sich mit einer zweitägigen Konferenz, die zum Start eines bi-regionalen Programmes der EU-Kommission mit Lateinamerika (LA) am Mittwoch und Donnerstag stattfand. Das Programm EUrocLIMA soll eine bessere Vernetzung und einen Austausch von Daten zum Thema Klimawandel in LA anregen sowie den politischen Dialog stimulieren. Dazu werden zunächst einmal Studien in den einzelnen Ländern durchgeführt, die nicht nur die naturwissenschaftliche Seite sondern auch die sozio-ökonomischen Faktoren untersuchen. Anschließend soll das so gewonnene Wissen um das bereits bestehende ergänzt und den anderen Staaten zugänglich gemacht werden. Dies soll die Entscheidungsgrundlage für nachhaltige Klima-Politik in der Region sein.

So viel zum Hintergrund des Projektes. In der Konferenz ging es einerseits darum, das Projekt mit den verschiedenen Teilen und Partnern (ein Programm der VN und das Joint Research Centre, das gemeinsame Forschungszentrum der EU-Kommission) vorzustellen. Andererseits sollten nächste Schritte definiert, Unklarheiten beseitigt und erste Kontakte geknüpft werden. Ich saß dort also zwischen EU-Delegierten, Vereinte Nationen (VN)-Repräsentanten, Umweltbeauftragten verschiedener lateinamerikanischer Länder und Vertretern einiger EU-Staaten, beobachtete und schrieb fleißig mit, um nachher das wichtigste nach Berlin berichten zu können.

Für mich war es sehr spannend und hat mir gezeigt, wie komplex und deshalb kleinschrittig und „langsam“ solch ein Programm ist. Insgesamt hat es mich sehr an die Simulation der VN vor ziemlich genau einem Jahr in New York erinnert: manche waren sehr gut vorbreitet, diskutierten aktiv mit und zeigten durch ihre Fragen, wie sehr sie schon in diesem Thema drin sind. Andere wiederum, zu denen ich mich auch dazu zähle, waren mehr stille Beobachter.

Das Ganze fand in einer großen Hotelkette statt, von der es auch ein Hotel in Köln gibt, und da zwischen Englisch und Spanisch hin-und her gewechselt wurde, saßen hinten im Raum zwei Dolmetscher. Es gab pro Konferenztag drei Pausen, die für mich auch wichtig waren, um mich kurz ein bisschen von dem straffen Programm zu erholen. Zu Mittag gegessen habe ich mit einem Vertreter von der Tschechischen Republik, der EU und den VN. Außerdem habe ich zwei Französinnen kennengelernt, sodass sich mal wieder in meinem Kopf alle Sprachen mischten. Englisch ist eigentlich nicht das Problem, aber die beiden romanischen Sprachen, die sich ohnehin schon ähneln. Wenn dann noch Spanisch mit starkem französischem Akzent gesprochen wird, ist mein Kopf vollends verwirrt.

Insgesamt war es eine tolle Erfahrung und jetzt habe ich richtig Lust, später einmal für die EU zu arbeiten. Der einzige Nachteil an solch interessanten Konferenzen ist der Bericht für Berlin, aber der gehört nun mal dazu.

3.5.10 06:01

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