Oh du schönes Beamtenleben

Das allererste Mal in einer Behörde zu arbeiten eröffnet nicht nur Einblicke in die Arbeit sondern auch in die Arbeitsweise der Selbigen.

Die Arbeitszeiten stehen im starken Kontrast zu denen, die ich in Bangladesch hatte: es geht schon um 7:30h los und nach einer nur halbstündigen Mittagspause wird bis 16:45h gearbeitet. Diese Zeiten sind dabei so flexibel wie eine Eisenstange; gibt es doch eine Schleuse, zu der nur wenige ausgewählte Personen einen Schlüssel besitzen. Zu früh zu kommen ist daher eher überflüssig, es sei denn, man erachetet vor der Tür stehen als sinnvoll. Pünktlichst um 16:40h wird daran erinnert, dass gleich Dienstschluss ist und dass sich doch bitte alle schlüssellosen Personen an der Schleuse einfinden möchten, damit gemeinsam die Räumlichkeiten verlassen werden können. Überminuten sind somit sehr schwierig zu sammeln, ganz zu schweigen von Überstunden.

Man kann es jedoch auch als nicht ausgewählte Person schaffen, einige Überstunden zu akkumulieren, wenn man außer Haus arbeitet. Damit meine ich nicht die von mir in Bangladesch so oft praktizierte Heimarbeit sondern z.B. die Anwesenheit auf verschiederlei Empfängen.

In den Genuss eines Solchen kam ich bereits an meinem ersten Arbeitstag. Abgesehen von herumstehen und nett aussehen kann man sich tatsächlich mit etwas Glück mit interessanten Personen und Persönlichkeiten unterhalten, was jedoch nur in Einzelfällen über gepflegten Small-Talk hinaus geht. Oft ist allerdings das Essen lohnenswerter: vergleichsweise ausgefallene Dinge und das in dem Land, in dem mir Lebensmittel sehr teuer vorkommen.

Momentan häufen sich die Abendveranstaltungen: am Dienstag war ich im Kanzleramt, wo im kleinen Kreis von ca. 70 Personen ein Konzert mit ausgewählten Musikern des zentralamerikanischen Jugendorchesters ein gemeinsames Konzert mit einem der Berliner Philharmoniker stattfand (eigentlich sollten noch drei weitere Philharmoniker kommen). Noch nie war ich in der Nähe eines Präsidenten und wenn wir nicht so schüchtern gewesen wären, hätten wir auch einfach hingehen können und Óscar Arias Sánchez einfach die Hand schütteln können. Wir beließen es dann aber bei einem „Sicherheitsabstand“ von zwei Metern.

Am Mittwoch war schon wieder ein Empfang und heute spielt im Nationaltheater das zentralamerikanische Jugendorchester – diesmal in voller Besetzung.

23.4.10 16:20

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