Manuel Antonio

„Klingt wie ein Kerl“ (meine Schwester) – ist es aber nicht! Ein kleiner Ort mit schönem Nationalpark direkt am Strand. Das war das Ziel für mein erstes Wochenende, das ich gemeinsam mit anderen deutschen und schweizer Praktikanten verbrachte (wir haben trotzdem die ganze Zeit über Spanisch geredet). Nach knapp drei Stunden Busfahrt, bei der wir einen Höhenunterschied von 1100m überwanden, waren wir schließlich an der Pazifikküste (hier kann man sich jedes Wochenende von neuem entscheiden, ob es der Pazifik oder doch der Atlantik sein soll) und dort machte sich auch das erste Mal das tropische Klima durch die hohe Luftfeuchtigkeit bemerkbar.

Schnell ein billiges Hostel gefunden und schon lagen wir am Strand. Das frühzeitige Losfahren hat sich auf jeden Fall gelohnt: es war erst zehn Uhr morgens, als ich mich das erste Mal in die nicht gerade kleinen Wellen stürzte. So konnten wir den gesamten Tag genießen – bis es anfing zu regnen. April ist in Costa Rica der Beginn der Regenzeit und direkt neben einem Nationalpark, in dem sich viel Regenwald befindet, kann darf auch gar nichts anderes erwartet werden. Eine Dusche, fünf Personen – die Wartezeit verbrachten wir mit uns beregnen lassen. Sommer- bzw tropischer Regen ist schon was Schönes.

Gewitter sind allerdings weniger schön, vor allem wenn sie in unbekannter Umgebung Stromausfälle verursachen, keine Taschenlampe griffbereit ist und natürlich auch der Ventilator die stehende Luft nicht wenigstens ein bisschen zerschneidet, was das Einschlafen nicht gerade einfacher macht. Aber das gehört nunmal dazu und als Stromausfall-Erprobte fand ich das auch gar nicht so schlimm.

Am nächsten Morgen hieß es wieder früh aufstehen und auch diesmal lohnte es sich: ein kleiner Strandspaziergang vor dem Frühstück und anschließend eine geführte Tour durch den Nationalpark Manuel Antonio. Faultiere sahen wir als erstes, was vielleicht auch mit der Bewegungsgeschwindigkeit dieser Tiere zusammenhängt. Aber auch Koliobris, Frösche, diverse Insekten, Landkrebse, Flughunde, Tucane, etwas Reh-Ähnliches, leuchtende Schmetterlinge und verschiedene Affenarten taten uns den Gefallen, einen Bilck auf sie erhaschen zu können. Fast fühlte ich mich wie im Zoo, nur dass es keine Gitter oder sonstige Absperrungen gab und als ein Schäerhund-großer Affe ungefähr einen Meter neben mir auf den Boden krachte, weil der Ast wohl doch zu dünn war (ich hätte vorher nicht gedacht, dass die Tiere das nicht so gut einschätzen können, aber vielleicht war speziell dieses von den vielen Schaulustigen abgelenkt), bin ich doch lieber einen Schritt zur Seite gegangen.

Die Strände innerhalb des Parks waren noch schöner als der vom Vortag und die Wellen und die Strömung waren so stark, dass man nicht an allen Stellen ins Wasser gehen konnte. Überflüssig zu erwähnen, dass es dort zwar Warnschilder, aber keine Strandbeaufsichtigung gibt, obwohl jährlich mehere Menschen ertrinken.

Wieder hatten wir einen schönen Tag am Strand, bis wieder der Regen einsetzte und wir uns langsam auf den Heimweg machten.
Insgesamt ein wunderbarer Start in das Leben in Costa Rica.

1 Kommentar 23.4.10 00:06, kommentieren

Costa Rica

Das Land, in dem Leute auf die Frage nach dem Wohlbefinden mit „Pura Vida“ antworten.

Nach einem angenehmen Flug, den ich auf einem Fensterplatz am Notausgang verbringen konnte (nach meinem freiwilligen Dolmetscher- und Eskalationsvorbeugungseinsatz für die Frau vor mir in der Schlange war die Frau am Schalter äußerst zuvorkommend), kam ich früh morgens in Costa Rica an. An dieser Stelle muss noch kurz erwähnt werden, dass die Ausstattung einer Condor-Maschine neben Emirates aber sehr alt aussieht (auch was die Stewardessen betrifft) und dass ich auch das halale Essen der arabischen Airline bevorzuge, die jedoch leider nicht meinen neuen Aufenthaltsort anfliegt.

Alles klappte problemlos, auch wenn es von der Botschaft keinen Abholservice vom Flughafen gab und mein Vermieter fest davon überzeugt war, dass ich erst am Sonntag kommen würde – bis ich bereits am Donnerstag vor seiner Tür stand. Die nächste Überraschung war, dass er gar kein Zimmer für mich hat, sondern sein Nachbar, den ich seit der Woche, in der ich in seiner Wohnung wohne, sage und schreibe ein Mal gesehen habe. Aber aus Bangladesch bin ich es ja schon gewohnt, dass alles klappt – wenn auch oft etwas anders als geplant.

Den ersten Tag verbrachte ich hauptsächlich schlafend; beträgt die Zeitverschiebung zwischen Costa Rica und Bangladesch doch genau 12 Stunden (die vier Tage in Deutschland sind trotz der schönen Erlebnisse in dieser Hinsicht vernachlässigbar). Mir die Zeitverschiebung zu Nutze machend, gewöhnte ich mir das lange in den Tag hinein Schlafen gar nicht erst an und stand am nächsten Morgen früh auf, um die Bustickets für den ersten Wochenendausflug zu kaufen.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass mir Costa Rica im Vergleich überhaupt nicht wie ein Entwicklungsland vorkommt. Es ist vergleichsweise sauber, der Verkehr ist insofern geregelt, als dass bei einer roten Ampel gehalten wird und selbst die Taxifahrer nicht andauernd die Spur wechseln, in der Hoffnung, sie kämen dadurch eine halbe Minute schneller ans Ziel. Die Preise entsprechen oftmals europäischem Niveau, dafür kann man allerdings Dinge wie Pumpernickel und etwas Müsli-Ähnliches in größeren Supermärkten kaufen. Es gibt keine Rikschas, Tempos oder CNGs und die Taxis sehen alle nicht so aus, als ob man die Türe von innen festhalten müsste, damit sie nicht abfällt. Sogar die Busfahrer scheinen vernünftig zu sein, fahren langsam die Serpentinen hoch und runter und zwar ganz ohne dabei zu hupen. Außerdem ist Leitungswasser oftmals trinkbar und schmeckt m.E. besser als das in La Rochelle. Hinzu kommt der soziale Abstieg: von der reichen Oberschicht Bangladesch in die gehobene Mittelklasse Costa Ricas.

Irgendwie ist es schon komisch, jetzt hier zu sein, nachdem ich die drei Monate in Bangladesch verbracht habe. Für andere Neuankömmlinge ist hier einiges gewöhnungsbedürftig, was ich als puren Luxus und sehr fortschrittlich ansehe. Ich glaube, dass es das ist, was es mir momentan noch ein bisschen schwer macht, bei den anderen europäischen Praktikanten Anschluss zu finden. Aber langsam finde ich mich ein, auch wenn es mir schwerer fällt als gedacht.

17.4.10 18:21, kommentieren

Die wunderbare Vielfalt der Möglichkeiten am bangladeschischen Straßenverkehr teilzunehmen

1. Natürlich kann man auch hier als Fußgänger sein Glück versuchen, man sollte allerdings nicht zu lange nach durchgehenden Gehwegen Ausschau halten. Wenn man doch einen gefunden haben sollte, lohnt es sich, den Blick auf diesen gerichtet zu halten, da ansonsten die Gefahr besteht, in größere Löcher oder Gräben hineinzufallen (habe ich schon live beobachten können) – besonders im Dunkeln bei nicht vorhandenen Straßenlaternen oder bei zwar vorhandenen, aber auf Grund von Stromausfällen nicht funktionierenden Laternen ist Vorsicht geboten.
So ist es nicht verwunderlich, dass Fußgänger oft entlang des Straßengrabens und zwar auf der Fahrbahn laufen. Da schon Ampeln für Verkehrsteilnehmern auf Rädern nur an großen Kreuzungen zu finden sind und dort auch nur selten Beachtung finden, sollte man mit der Straßenüberquerung nicht bis zur nächten Fußgängerampel oder gar eines Zebrastreifens warten. Natürlich darf man sich von der Größe der Straße nicht abschrecken lassen; es empfiehlt sich die Überquerung in zwei Schritten, bei der man sich auf den teilweise nur imaginären Mittelstreifen rettet (Achtung, Linksverkehr – vergesst am besten alles, was ihr in der Grundschule zur Straßenüberquerung gelernt habt).
Von Einheimischen gerne praktiziert ist auch die Kamikaze-Überquerung, bei der man einfach losläuft und mit der rechten Hand den doch erheblich stärkeren PKWs und LKWs bedeutet, einen nicht zu überfahren. Das ist zwar auf Dauer recht nervenaufreibend, allerdings hat man hier das bangladeschische Gesetz auf seiner Seite: Wird eine Person überfahren, muss der Fahrer ins Gefängnis. Fragt sich nur, wem das dann hilft. Aber der Gedanke an das bangladeschische Gefängnis scheint so abschreckend zu sein, dass alle Fahrer sich sehr bemühen, niemanden zu überfahren. Demnach scheint doch diese Variante der Teilnahme am Straßenverkehr recht sicher.

2. Viel beliebter als das Fußgänger-Dasein ist hier allerdings das sich in einer Rikscha durch die Gegend fahren lassen. Dazu winkt man einfach einem der unzähligen Fahrer zu, nennt sein Ziel und steigt auf. Zu Beginn ist es ein bisschen gewöhnungsbedürftig, da viele Sitzvorrichtungen nicht gänzlich waagerecht sind, sodass man langsam aber sicher von dem Sitz herunterrutscht, wenn man nicht mit seiner Beinmuskulatur dem entgegenwirkt. Besondere Herausforderungen sind hierbei Schlaglöcher und der Bremsvorgang, der oftmals aus dem Auffahren auf die voranfahrende Rikscha besteht. Zweites Problem: bei geschlossenem „Verdeck“ kann es durchaus vorkommen, dass man nicht nur beim Durchfahren von Schlaglöchern mit dem Kopf an die Holzstreben stößt.
Das Schöne am Rikscha fahren ist, dass man etwas höher sitzt als der durchschnittliche Verkehrsteilnehmer und deren Auspuffe, sodass man nicht nur eine bessere Aussicht, sondern auch eine vergleichsweise frischere Luft genießen kann. Außerdem besitzen Rikschas nur Klingeln, von denen die Fahrer natürlich permanent Gebrauch machen, die allerdings im Vergleich zu den Geräuschen der motorisierten Fortbewegungsmittel wie ein zartes Flüstern wirkt.

3. Für längere Stecken, auf denen die Rikscha zu lange brauchen würde, gibt es die sogenannten CNGs. Früher hießen sie Autorikschas, worunter sich der unwissende Ausländer vielleicht ein bisschen mehr vorstellen kann. Es handelt sich um ein kleines dreirädriges, meist grünes Gefährt, dass zumindest in den großen Städten mit Gas fährt – daher auch der Name (compressed natural gas). Vorne auf einer Sitzbank, auf der zur Not bis zu drei Personen Platz finden, sitzt der Fahrer, während die Passagiere hinten einsteigen und auf der gepolsterten Sitzbank Platz nehmen.
Manchmal sehe ich CNGs, von denen ich gar nicht genau sagen kann, wie viele Personen denn nun dort hinein gequetscht sind; ich persönlich halte aber drei für die maximale Anzahl von Erwachsenen, die sich halbwegs komfortabel die Sitzbank teilen können. CNGs sind im Vergleich zu Autos und Bussen klein und wendig und können auf Grund dieser Eigenschaften z.B. in der Rush-Hour vorteilhaft sein.

4. Tempo, so heißt das Verkehrsmittel, mit dem ich täglich für fünf Cent 15 Minuten lang zur Arbeit fahre. Es gleicht einem CNG, ist allerdings ein bisschen größer (ich schätze ca. 1m x 2,5m) und es passen wunderbar viele Leute hinein. Vorne sitzt wieder der Fahrer, meistens von zwei Personen umrahmt und umarmt. Im hinteren „Abteil“ gibt es drei Sitzbänke, nachhinten ist das Gefährt geöffnet, sodass man einsteigen kann. (Ich glaube, ich muss mal ein Foto machen, das ist wirklich nicht einfach zu beschreiben)
Ich habe nachgezählt und insgesamt können 17 Personen mit einem Tempo fahren: 10 auf den hinteren Sitzbänken, 4 hängen hinten dran und 3 sitzen vorne. Bei geschätzten 20 PS ist das am Hang natürlich ein bisschen langsam… Es gibt so etwas wie Haltestellen, nur dass sie überhaupt nicht als solche erkennbar sind, an denen man einfach „einsteigen“ (das Wort beschreibt das Aufspringen/Hineinklettern/hinein Quetschen irgendwie nicht sehr anschaulich) kann, wenn noch Plätze frei sind. Ich würde auch gerne einmal hinten dranhängen (eine Hand und einen Fuß an dem Gefährt), aber für Frauen und noch dazu ausländische ist es undenkbar. Männer müssen immer durchrutschen, damit die Frauen möglichst nah am „Ausgang“ sitzen können.

5. Autos gibt es hier natürlich auch. Ein Unterscheidungsmerkmal zu den Autos, die ich in anderen Ländern gesehen habe, ist die „rundum-Stoßstange“, mit der die meisten Autos ausgestattet sind und die zumindest von Rikscha-Fahrern manchmal auch benutzt wird.
Der bangladeschische TÜV – wenn es denn einen gibt – würde sicherlich bestätigen, dass die wichtigste Vorrichtung am Auto (und natürlich auch am CNG, LKW und Bus) die Hupe ist. Sie wird als Kommunikationsmittel gerne und häufig, manchmal sogar fast ununterbrochen eingesetzt. Des Nachts wird sie von der Lichthupe unterstützt, wobei diese geräuschlose Art der Kommunikation nicht immer so viel Wirkung zeigt, da viele konstant mit Fernlicht fahren. Bremsen werden im Westen heillos überbewertet: möchte ich abbiegen (dabei schneide ich natürlich die Kurve), hupe ich einfach anstatt zu bremsen, der eventuell Entgegenkommende weiß ja dann bescheid) – gleiches gilt für Überholen in Kurven.

6. Busse gibt es hier zur Genüge, wenn ich nur wüsste, ob sie dahin fahren, wo ich hin möchte! Bei den lokalen Bussen hängt normalerweise ein junger Mann mit einer Hand an einem außen am Bus angebrachten Griff, ruft irgendeinen Ort, an dem der Bus anscheinend irgendwann einmal vorbeifährt, kassiert das Fahrgeld und passt auf, dass der Fahrer nicht einen Fußgänger, eine Rikscha oder ein CNG übersieht. In vielen Bussen sind vorne ein paar Plätze für Frauen reserviert (ich glaube, das ist sogar gesetzlich festgelegt), allerdings gibt es auch Busse, in denen das nicht der Fall ist und mit denen Frauen nicht fahren dürfen (mir wurde einmal der Einstieg verwehrt, während mein Mit-Praktikant hätte einsteigen können). Generell gilt: einer geht noch! Jeder Fahrgast bringt ein bisschen Geld.
Überlandbusse sind meistens etwas komfortabler (ich kann in ihnen sitzen, ohne dass ich überlegen muss, wohin ich denn jetzt meine Beine verstaue) und jeder Fahrgast hat einen Sitzplatz. Gerade in etwas hügeligen Gebieten ist Busfahren besser als jede Achterbahnfahrt, was allerdings noch bei fast jeder Busfahrt mindestens einer Frau nicht so gut bekommen ist (Theorie von meiner Mit-Praktikantin: „Die sind alle schwanger." )
Eine Freundin meinte, dass die Busfahrer hier alle nicht ganz richtig im Kopf sind, so wie sie fahren – ich habe mir einfach angewöhnt, auf der Seite und nicht durch die Windschutzscheibe die Landschaft zu betrachten. Eine andere Ausländerin drückte es sehr optimistisch aus: „Alle Busfahrer, mit denen wir fahren, haben noch keinen für sie tödlichen Unfall gebaut!“

1 Kommentar 27.2.10 14:15, kommentieren

Das Leben in Chittagong oder Der soziale Aufstieg einer Studentin

Alles fing damit an, dass sie sich entschloss, das ihr inzwischen doch recht vertraute Europa zu verlassen und im geografisch gesehen nicht weit entfernten, aber kulturell und wirtschaftlich gesehen doch sehr anderen Tunesien zu leben.

Mit nur einer anderen Praktikantin bewohnte sich ein ganzes Haus mit Vorgarten und Terrasse, in/auf denen frisches Obst wuchs. Einmal in der Woche kam die Putzfrau und an heißen Tagen gönnte sie es sich, mit dem Taxi anstelle des Busses zur Arbeit zu fahren. Sie reiste viel, mietete sogar ab und an mal ein Auto und leistete sich Luxusgüter wie z.B. Käse oder Müsli. Beim Empfang des Botschafters war sie mit dabei und zu den Partys der amerikanischen Armee wurde sie natürlich auch eingeladen. Sie genoss das Leben und die neugewonnene Kaufkraft, jedoch war ihr diese Erfahrung noch nicht exotisch genug – wählte sie doch ein noch ferneres und unbekannteres Ziel für ihre nächste Reise.

Wurde sie in Tunesien noch in einem klapprigen Kleinwagen von einer Kollegin am Flughafen abgeholt, kam in ihrer neuen Heimat ein Praktikant mit einem Fahrer in dem Kleinbus der neuen Arbeitsstelle, der sie zu der am Eingangstor des großen Hauses bewachten Wohnung brachte. Luxuriös wäre vielleicht nicht das passende Wort um diese neue Unterkunft zu beschreiben, jedoch war der Standard deutlich höher als der aller vorherigen während ihres Studiums bewohnten Räume zusammen: es gab sogar ein Zimmer, das von der Lage her ganz eindeutig für das Hausmädchen bestimmt war. Dass es ein Solches nicht gab, war auch alles. Der Putzmann kam auf Anruf (mehr oder weniger pünktlich) und jemand kam, um den Müll die Treppe hinunterzutragen.

Zu Gast bei der Oberschicht in Luxusappartements, auf Empfängen mit dem Botschafter oder backstage bei großen Konzerten – das war noch einmal eine Verbesserung im Vergleich zu dem letzten Jahr! Sie ging oft auswärts essen, in kleineren Städten sogar in die teuersten Restaurants der Stadt, die sich Einheimische nur zu besonderen Anlässen leisteten. Die Wahl des Fortbewegungsmittels spielte keine Rolle – sie traf sie im Hinblick auf die Entfernung ihres Zieles. Der krönende Abschluss dieser Zeit sollte ein Besuch im „Deutschen Club“ sein, in dem sie von anderen Deutschen umgeben eine leckere Pizza essen konnte und auch problemlos ein Bier hätte trinken können, während draußen auf der Straße im Auto der Fahrer auf sie wartete.

Die Fahrt zu ihrem neuen Wohnort war vielversprechend: vorne neben dem Fahrer, auf dem Armaturenbrett eine deutsche und eine bangladeschische Fahne, auf dem Schoß einen Laptop – kein Wunder, dass nicht nur einmal von einer knochigen Hand an ihre Fensterscheibe geklopft wurde, in der Hoffnung, ein paar Cents zu bekommen.

Auch ihr neues Zuhause zeugte von dem stattgefundenen weiteren sozialen Aufstieg, wohnten dort doch mehr Angestellte als Familienmitglieder der Gastfamilie. Sie wurde den Leitern anderer Kulturorganisationen vorgestellt, in denen sie von nun an ein gern gesehener Gast war, der bei Diskussionen um seine Meinung gebeten wurde. Desweiteren traf sie sich mit SchulleiterInnen, um diese von der Nützlichkeit der deutschen Sprache zu überzeugen und unterrichtete LehrerInnen und ebendiese SchulleiterInnen.

In gehobenen Hotels trank sie teuren Alkohol, aß jeden Morgen die teuersten Cornflakes zum Frühstück und lernte die Sprache der Einheimischen von einem Sprachwissenschaftler. Sie traf sich mit weltberühmten und preisgekrönten Fotografen, die ihr ihre Arbeit vorstellten, ihr Geschenke bereiteten und sie zu sich nach Hause zum Essen einluden. Sie wurde persönlich zu Konzerten der ganz großen bangladeschischen Künstler eingeladen und nahm an Privatvorführungen mit anschließender Diskussion im kleinen Kreise teil. Nicht erwähnenswert, dass sie ihr Zimmer und ihr eigenes Bad nie selbst putze und auch in der Küche keinen Finger rühren konnte – versuchten doch die Angestellten mit allen Mitteln ihrer Funktion nachzukommen, was dazu führte, dass sie sich manchmal noch nicht einmal etwas Wasser nachschenken konnte.

Insgesamt lässt sich sagen, dass sie ihrer Rolle als Ausländerin gerecht wurde. Denn mit ihrer hellen Hautfarbe verkörperte sie nicht nur das dortige Schönheitsideal, sondern signalisierte auch gleichzeitig, dass sie Teil der Oberschicht ist und viel Geld besitzt.

 

Dieser Text ist eine auf der Realität basierende, subjektive und einseitige Darstellung, in der Übertreibungen nicht ausgeschlossen sind.

1 Kommentar 25.2.10 17:51, kommentieren

Lebenszeichen

Auch wenn ich es genauso empfinde, erspare ich euch den lateinischen Satz, der besagt, dass die Zeit rennt.
Seit dem letzten Eintrag ist viel passiert, ich wohne in einer neuen Stadt und habe dementsprechend auch einen neuen Arbeitsplatz mit neuen Aufgaben. Erfreulicherweise habe ich auch sehr viel zu tun, sodass ich nicht mehr zu allem komme, was eigentlich auf mich wartet.
Das heißt allerdings nicht, dass es mir hier nicht gut gehen würde - nehmt es einfach als postives Zeichen: es geht mir so gut und ich habe so viel vor, dass mir keine Zeit bleibt, es schriftlich festzuhalten. Das ist natürlich schade, andererseits verbringe ich lieber die Zeit damit, etwas neues zu erleben, als Erlebtes aufzuschreiben.

21.2.10 18:09, kommentieren


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